SPAM! Musik Magazin Ausgabe 2: Review, V.A., (The Microcosm). Visionär Music of Continental Europe, 1970-1968

V.A.

V.A.

(The Microcosm). Visionary Music of Continental Europe, 1970-1986

(Light In The Attic)

Diese von Douglas Mcgowan zusammengestellte und kommentierte Kompilation ist gewissermaßen das Pendant zu „I Am The Center“ von 2013. Seinerzeit widmete sich Mcgowan der New Age Music der US-Szene. Bei Hörern, die mit diesem Stichwort kommerzielle Wellness-Klänge à la Windham Hill verbinden, ist New Age eher schlecht beleumundet, weshalb Mcgowan sich auch den etwas unbestimmten Terminus der „Visionary Music“ einfallen lassen musste, um die gewünschten Musiker an Bord zu bekommen. Tatsächlich klingt kaum einer der insgesamt 16 zumeist sehr langen Tracks nach New Age, sondern eher nach experimentellen FormenSPAM! Musik Magazin Ausgabe 2: Review, V.A., (The Microcosm). Visionary of Continental Europe, 1970-1986 von Ambient, die teilweise durchaus älter sind als Brian Enos frühe Arbeiten zu diesem Genre. Mit dabei sind allerlei westdeutsche Bands und Musiker, die bereits in den 1970er Jahren mit Elektronik und Spiritualität experimentierten und gern als „kosmische Kuriere“ auf Klangreisen gingen wie Popol Vuh, Ash Ra Tempel, Peter Michael Hamel oder Hans-Joachim Rodelius. Dazu kommt internationale Prominenz wie Vangelis oder Georg Deuer, der ab Mitte der 1970er Jahre seine Musik in Poona produzierte und dem Bhagwan aka Osho in die USA folgte. Wer sich mit der frühen Elektronik-Szene jenseits der „Düsseldorfer Schule“ (Kraftwerk, NEU) auskennt, wird hier auf viel Vertrautes stoßen. Spannender sind allerdings die eher obskuren Tracks, die Mcgowan anzubieten hat. Faszinierend die nicht-drogeninduzierte Psychedelia von Bernard Xolotl, Ariel Kalma oder Robert Julian Horky, die erklärtermaßen auch eher von La Monte Young, Terry Riley, Pink Floyd, Carlos Castaneda oder Miles Davis inspiriert wurden. Horky erklärt dann in einem Statement auch, dass seine Musik von der kommerziellen New Age-Mode gewissermaßen eingeholt und überholt wurde, während er sich mehr für Musik als schamanistische Praxis interessierte. Und Georg Deuter gibt zu Protokoll, dass seine Musik nicht zum Hören bestimmt sei, sondern für sehr konkrete Formen der Meditation. Wie bereits angedeutet: diese sehr empfehlenswerte Kompilation dokumentiert keine Bewegung, sondern eine gewisse individualistische Schratigkeit, die sich zu entdecken lohnt.

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//Ulrich Kriest