SPAM Musik Magazin Ausgabe eins: Review Thom Sonny Green High Anxiety

Thom Sonny Green

Thom Sonny Green

„High Anxiety“

(Infectious)

Alt-J Schlagzeuger Thom Sonny Green hat eine Soloplatte veröffentlicht. Kein SPAM Musik Magazin Ausgabe eins: Review Thom Sonny Green - High AnxietyDrummeralbum, sondern ein leicht verträumtes Instrumental-HipHop-Elektro-Experiment mit Tiefgang. Green hat seine Angst vertont und lässt uns tief in seine Abgründe blicken. Sein Werk gewährt uns Zutritt in die schwarzen Löcher nicht nur seiner eigenen, sondern auch unserer Seele, von deren Existenz wir eigentlich nie wissen wollten. Wenn man sich dann einlässt und genussvoll im tiefsten Schwarz wälzt, ist man irgendwie begeistert von der polierten Kaputtheit seiner Songs. So viel Angst macht irgendwie auch Spaß. Verzerrte Streicher, die nach Nacht im Sturm klingen, meditative HipHop-Beats, die wie Schlaf raubende Schattenmonster aus Kindheitstagen beharrlich immer wiederkehren – Green kennt sich aus mit Beklemmung. Zu jedem Track des Albums gibt es ein eigens gedrehtes Video im Netz. „Blew“ zeigt rotes Blattwerk einer nächtlichen Autofahrt ins Nirgendwo. Bei „Phoenix“ wird durch Wiederholungen irgendwie Wut geweckt, man möchte das blonde Püppchen schütteln, welches da viel zu direkt und aufgesetzt zufällig in die Kamera glotzt, vielleicht geht’s ja um Furcht vor Nähe – mangels Lyrics ist das gesamte Album der Eigeninterpretation des Hörers überlassen. Man will träumen und tanzen, fühlt sich flatterig und benommen, und will wie in jedem Albtraum doch mehr und immer noch mehr.Von besonderer Eindringlichkeit ist „Oakland“. Da möchte man mit allen Kreaturen, die einem so in den Sinn kommen, in einem selbstvergessenen Reigen schwelgen und vom Monster unterm Bett umhergewirbelt werden. Dieses Album ist ohne situativen Beipackzettel zum Hören gedacht. Ein Meisterwerk für Grübler, Zweckpessimisten und Wütende. „High Anxiety“ kann selbst den besten Schwimmer meilenweit bis auf den Meeresboden ziehen und gleichzeitig in den endlosen Abgründen zwischen Licht und ewiger Dunkelheit auf morbide Art und Weise glücklich machen.

Jetzt reinhören!

//Vanessa Sonnenfroh