Spam Musik Magazin Ausgabe eins: Review Archiv Robert Ellis Robert Ellis

Robert Ellis

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Robert Ellis

(New West Records)

Nach einer Weile kommt einem Van Morrison in den Sinn. Das mag mit dem SPAM Musik Magazin Ausgabe eins: Review Robert Ellis - Robert Ellisdezent kehligen Timbre zusammenhängen, das Robert Ellis entwickelt, wenn er seiner Stimme Dynamik abverlangt. Es liegt aber auch an der Geschmackssicherheit in der Gestaltung seiner Songs, von der harmonischen Finesse, die in der Sprache des Folk formuliert, ohne dessen Klischees bemühen zu müssen, bis hin zu den selbst in der Reduktion opulenten Arrangements, denen man sogar gelegentliche Streicher verzeiht. Überhaupt schafft es der Sänger, Gitarrist und Komponist aus Houston, Texas, mit seinem vierten Album, Ausgewogenheit nicht in Abgeklärtheit und Melancholie nicht in Selbstmitleid kippen zu lassen. Er erzählt Geschichten von der Bekanntschaft an der Pommesbude, die zur Liebschaft wird, der man sich aber nach einer Zeit gar nicht mehr sicher ist. Von der Frau, die es so gerne hätte, dass man ihr hülfe, es jedoch nicht zulassen will. Von dem Ehemann, der sich wünscht, seine Frau würde endlich ins Bett gehen, wo er ihr doch nichts mehr zu sagen hat. Dazwischen instrumentale Miniaturen, Hörbilder, am Ende eine ausufernde, kantige Improvisation, passend zu den Zeilen von „It’s Not Ok“. Das ist in sich so stimmig, wie es beim jungen Van auch war, natürlich Jahrzehnte später und ganz anders, aber doch in einer großen Traditionslinie.

//Ralf Dombrowski