SPAM Musik Magazin Ausgabe eins: Review Archiv Red Hot Chili Peppers The Getaway

Red Hot Chili Peppers

Red Hot Chili Peppers

The Getaway

(Warner)

Entwicklungsbahnen von Rockbands werden oft mit denjenigen von Spam Musik Magazin Ausgabe eins: Review Archiv Red Hot Chili Peppers The GetawayPaarbeziehungen verglichen. Es ist auch etwas dran: Ob es um die Sexiness der Anfänge geht, die Gefahr der Routine oder das unspektakuläre Gefühl gegenseitiger Wertschätzung. An diesem Punkt sind die Red Hot Chili Peppers angelangt, über 30 Jahre nach ihren ersten Party-Songs als Hollywoods Funk-Punks mit Socken über den Gemächten. Ihr zehntes Album „I’m With You“ (2011) hatte Fans und Kritik zuletzt etwas ratlos hinterlassen. Es war die Platte, die erstmals seit langem ohne Saiten-Exzentriker John Frusciante eingespielt wurde, doch Neuzugang Josh Klinghoffer konnte keinen adäquaten Eindruck hinterlassen. Offenbar drängte es die Band nach neuen Impulsen, das dürfte den Wechsel in der Produktionskabine erklären: Erstmals seit „Blood Sugar Sex Magik“ von 1991 saß dort für „The Getaway“ nicht Rick Rubin, sondern Brian Burton aka Danger Mouse mit anschließender Mixing-Zuarbeit vom Radiohead-Vertrauten Nigel Godrich. Das Ergebnis ist unter anderem, dass sich auf „The Getaway“ Gitarrist Klinghoffer erstmals effizient in Szene setzen darf. Bei Weitem nicht so freaky-styley wie Frusciante, ordnet sich der Jung-Pepper dem Charakter-Klangbild der Band vordergründig unter, nur um hintergründig Spannendes zu schaffen. Leicht und wendig ist sein Spiel, wenn nötig minimalistisch. Umso eindrücklicher, wenn er vereinzelt an die Rampe tritt und in effektgeladenen Klängen schwelgt, etwa ein psychedelisches Solo abzieht wie im Beatles-artigen „Feasting on the Flowers“ oder sich strahlend mit Streichern verbandelt wie im Vater-Sohn-Hymnus „The Hunter“. Zusammen mit Burtons kreativen, teils unverhohlen popverliebten Synthie-Einsätzen – die experimentierfreudigeren Songs versammeln sich vor allem auf der zweiten Albumhälfte – ergibt sich zwar keine Neuerfindung, doch immerhin ein erfreulicher Frischeschub für die Funkrock-Veteranen. Die haben elegant aus der drohenden Langeweile-Falle gerettet und dennoch nichts von ihrem Arenenrock-Appeal eingebüßt.

//Ulrike Rechel