SPAM Musik Magazin Ausgabe 2: Review, Neil Young, Peace Trail

Neil Young

Neil Young

Peace Trail

(Reprise)

Neil Young war zu allen Zeiten ein umstrittener Künstler. Politisch mäandert er Peace Traivon ganz links nach ganz rechts und zurück – er hat sich zwar im Wahlkampf für Bernie Sanders engagiert, aber Donald Trump erlaubt, seinen Song „Rockin’ In A Free World“ zu benutzen – und auch musikalisch hat er sich gerade in jüngerer Zeit in die ein oder andere Sackgasse manövriert. Seine neue CD „Peace Trail“ ist jedoch ein absoluter Glücksfall. Extrem reduziert – nur mit SPAM Musik Magazin Ausgabe 2: Review, Neil Young, Peace TrailBassist Paul Boshnell und dem berauschend leichtfüßigen Drummer Jim Keltner eingespielt – verlässt sich Young einmal mehr auf die charismatische Kraft seines nackten Songwritings. Und damit liegt er goldrichtig. In einer Mischung aus luftigem Folksong und tief grummelndem Fuzz postioniert er sich stilistisch zwischen seinen Alben „After The Goldrush“ und „On The Beach“. Denmahnenden Zeigefinger kriegt er wohl nicht mehr in die Hosentasch, doch kommt er etwas weniger aufdringlich rüber als auf „The Monsanto Years“. Vor allem aber sind seine Texte weniger flach und volkstümlich als auf seinen letztenEmpörungen. Auf „Peace Trail“ ist Young viel stiller, ergeht sich mehr in Andeutungen, die er dann gern mal mit einer elektronisch verfremdeten Mundharmonika unterstreicht. Von etwas schwachbrüstigen Opener „Peace Trail“ sollte man sich nicht abschreckenlassen, denn das Album enthält eine ganze Reihe von Songs wie „Show Me“ oder „My Pledge“ , die sich nahtlos in die beachtliche Anzahl von Klassikern aus seiner Feder einordnen lassen. Am besten ist aber jeder Mangel von Attitüde. Selbst wenn er sich versingt, wird das nicht übertüncht. Die Songs sind, was sie sind, fertig. Einmal mehr entsagt der alte Barde jeder Form von Perfektionismus. Dafür ist er stimmlich so gut drauf wie schon lange nicht mehr. In seiner stimmungsvollen Kurzweil ist „Peace Trail“ ohne Frage das erfreulichste Album, das Neil Young seit anderthalb Jahrzehnten zu Gehör bringt.

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//Fred Fronner