SPAM Musik Magazin Ausgabe 2: Review, Metallica, Hardwired...To Self-Destruct

Metallica

Metallica

Hardwired… To Self-Destruct

(Universal)

Der nächste US-Präsident ist kaum gewählt, schon fallen Alben auf, die sich alsKommentare zum Gezeitenwechsel interpretieren lassen. In „Moth Into Flame“ etwa besingt James Hetfield eine dekadente Lügnerfigur, die sich aufmacht, eine Mauer hochzuziehen – Assoziationen an Trumps anvisierten Grenzwall nach Mexiko liegen durchaus nahe. Dann wiederum sind Metallica seit jeher verlässliche Lieferanten für abgrundtiefe Weltuntergangs-Szenarien, dazu braucht die Truppe um Shouter James Hetfield vermutlich nicht mal einen Trump. Acht Jahre liegt ihr letztes SPAM Musik Magazin Ausgabe 2: Review, Metallica, Hardwired...To Self-DestructAlbum „Death Magnetic“ schon wieder zurück, da wirkt der Einstieg in Album Nr. 10 wie ein Befreiungsschlag: Der vorab als Single ausgekoppelte Titelsong macht die lange Pause mit einem derben Hieb vergessen. Eine martialische Drumstrecke samt Doom getöntem Gitarrenriff ebnet den Weg, bis sich das Tempo verdoppelt und Hetfields angewiderter Propheten-Bariton einsetzt: Alle Zutaten sind somit gegeben für einen klassischen, bitterbösen Metallica-Ohrwurm. Und „Hardwired“ ist nicht der einzige Thrash lastige Song, der es in den Kanon der Band schaffen dürfte: Das finale „Spit Out The Bone“ ist nicht minder furios als der Auftakt knapp 80 Minuten zuvor. Was sich aber zwischen den erfrischend explosiven Polen eröffnet, ist von wechselhafter Qualität. Auf jeden Moment, in dem die Band ganz bei sich scheint – ob im wuchtigen „Confusion“ oder dem melodiestarken Epos „Halo On Fire“ –, kommt viel Füllstoff oder allzu bequemes Selbstzitat. Offenbar hielt niemand die Band davon ab, solide Stücke zu verwässern oder mäßige Songs an Bord zu behalten; Nummern wie „Am I Savage?“ oder „Murder One“ werden es jedenfalls kaum auf die Live-Setliste der Kalifornier schaffen, so wenig wie die Songs von Platten wie „Load“/“Reload“ oder „St Anger“. Man hört, dass Produzenten-Instanz Rick Rubin aus der Zusammenarbeit ausgestiegen sei. Vielleicht wäre es just die starke, ordnende Hand gewesen, die der Produktion jetzt fehlt.

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//Ulrike Rechel