SPAM Musik Magazin eins: Review Leonard Cohen - You Want It Darker

Der vier Ohren Test

 Leonard Cohen

You Want It Darker

(Columbia)

Man kann Leonard Cohen alles Mögliche vorhalten, Koketterie zum Beispiel mit dem Alter, auch stilistische Eindimensionalität, weil seit „Old Ideas“ (2012) nichts Neues mehr passiert, sondern, im Gegenteil, die einmal gefundene Klangerscheinung seines Alterswerks weiter zementiert wird. Aber genau das macht es auch reizvoll. Denn „You Want It Darker“ ist zwar einerseits den Vorgängern sehr ähnlich, geht aber auf der anderen Seite noch darüber hinaus. Mit 82 Jahren und einem zwar nicht üppigen, aber dennoch umfangreichen Lebenswerk kann der Kanadier seinen religiösen Skeptizismus noch weiter ausleben und zuspitzen, ohne damit die Konsequenzen wütender Eiferer erwarten zu müssen: „A million candles burning from the help that never came, you want it darker, we kill the flame. I’m ready my Lord“. Im Plauderton mit aufgedrehtem Bassregler am Mikrofon, im Hintergrund mal Chöre, Geigen oder ein sanft dahinfließender minimalfolkloristischer Klangteppich, gibt Leonard Cohen abermals den Ungehorsamen, der seinen Protest, aber auch seine Liebeslieder mit knorriger Beiläufigkeit formuliert.

//Ralf Dombrowski


 

Wir müssen uns wohl oder übel damit abfinden, dass unsere SPAM Musik Magazin Ausgabe eins: Review Leonard Cohen - You Want It DarkerVorbilder immer älter werden, so wie auch wir. Leonard Cohen ist wohl der Alterspräsident der aktuellen Pop-Community, und – ja – schön, dass es ihn immer noch gibt. Doch was wir von ihm als Person guten Gewissens sagen können, trifft auf seine Veröffentlichungen immer weniger zu. Seine neue CD klingt wie ein letztes, unadressiertes Murmeln im Pflegeheim. Wenn es doch wenigstens noch irgendwie bitter, zynisch oder sarkastisch wäre. Doch, verdammt nochmal, Leonard Cohen will weise und abgeklärt sein. Was bei diesem Versuch rauskommt, ist leider nur flach. Man dürfe es nicht mit „Chelsea Hotel“ vergleichen, von dieser Identität habe sich Herr Cohen längst verabschiedet, hört man seine Jünger postulieren. Schön für ihn, aber nicht für uns. Denn solange er seine Alben unter dem Trademark „Leonard Cohen“ auf den Markt bringt, wird er sich auch den Vergleich mit früheren Identitäten gefallen lassen müssen. Wenn es darum geht, ähnlich dem späten Papst Johannes Paul II. Hilflosigkeit zum späten Lebensthema zu machen, hat er sein Ziel voll erreicht. Doch an dieser Aufgabenstellung sind zumindest leichte Zweifel angebracht. Und dann ist „You Want It Darker“ einfach nur eine bitterböse Zumutung.

//Wolf Kampmann

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