SPAM Musik Magazin Ausgabe eins: Review King Crimson - RADICAL ACTION TO UNSEAT THE HOLD OF MONKEY MIND

King Crimson

King Crimson

Radical Action To Unseat The Hold Of Monkey Mind

(Discipline)

Robert Fripp hat es richtig gemacht. Er hat dem Erfolg stets misstraut und seine SPAM Musik Magazin Ausgabe eins: Review King Crimson - RADICAL ACTION TO UNSEAT THE HOLD OF MONKEY MINDProg-Legende King Crimson immer dann aufgelöst, wenn der Mythos größer wurde als die Wirklichkeit. Was der Mystifizierung von King Crimson freilich keinen Abbruch getan hat. Und so können sie frisch und in neuer Aufstellung 2016 genau das tun, was den meisten kontinuierlich arbeitenden Bands verwehrt bleibt: einen unverstellten Blick auf ihr Gesamtwerk werfen. Die neue Besetzung von King Crimson umfasst nicht weniger als sieben Musiker. Dass drei davon Schlagzeuger sind, mutet wie ein ironisches Streiflicht des 70-jährigen Bandleaders darauf an, dass Progrock meist intellektuelles Macho-Gehabe ist. Eine reine Männerwelt aus Muskeln, Hirn und Material. Fripps Band setzt sich aus ursprünglichen und neueren Weggefährten sowie gänzlich neuen Mitgliedern zusammen wie Sänger und Gitarrist Jakko Jakszyk, dem von Porcupine Tree kommenden Schlagzeuger Gavin Harrison, der gemeinsam mit Saxofonist Mel Collins überraschend jazzige Referenzpunkte schafft, und Drummer und Keyboarder Bill Rieflin. Vor allem letzterer setzt unüberhörbare Akzente. In Bands wie SWANS, Ministry, Nine Inch Nails, Revolting Cocks und Lard ist er zu einer Schlüsselfigur des Industrial geworden, eine Facette, die King Crimson gut zu Gesicht steht. Das Material von „Radical Action…“ – einem angeblichen Live-Album, das aber so antiseptisch und präzise wie eine Studioproduktion wirkt – setzt sich vor allem aus Klassikern zusammen, allen voran „Starless“, „Easy Money“, „In The Court Of The Crimson King“ und „21st Century Schizoid Man“. Diese Dreifach-CD ist eine Bestandsaufnahme des Bisherigen unter neuen Voraussetzungen und macht somit neugierig auf Künftiges, das ohne Frage schon bald ins Haus steht. Das Spiel der Band zwischen notorischem Kontrollwahn und dem totalen Loslassen in der freien Improvisation ist wie immer verblüffend. In diesem Spannungsfeld erklingen einige der Songs in Versionen, die man getrost als definitiv bezeichnen kann.

//Emma Aust