SPAM! Musik Magazin Ausgabe 2: Review, Ibrahim Maalouf, Live Tracks 2006-2016

Ibrahim Maalouf

Abraham Maalouf

Live Tracks 2006-2016

(Impulse!)

Da sieht man junge Menschen, Frauen tanzen, Glück in den Gesichtern, in einem SPAM! Musik Magazin Ausgabe 2: Review, Ibrahim Maalouf, Live Tracks 2006-2016vollgepackten Club in Istanbul anno 2013. Unverschleiert, verschwitzt, enthusiasmiert, Großstadtleben eben. Und man hofft insgeheim, dass solche Konzerte weiterhin Teil des kulturellen Lebens in der Türkei bleiben. Auf der Bühne jedenfalls steht das Gegenmodell zum ideologisierenden Kleingeist: Ibrahim Maalouf, exil-libanesischer Trompeter, begnadeter Klanggestalter, Intellektueller mit dem Bedürfnis, möglichst viele Leute am musikalischen Menschsein teilhaben zu lassen. Die Musik des Albums „Live Tracks 2006-2016“ wurde an verschiedenen Orten aufgenommen, vieles im französischen Nantes bei einer opulenten Rockshow, manches auch im Pariser „Olympia“, ein Song sogar mit der alten Dame des Chansons Juliette Gréco als Gast. Man kann die Konzerte hören und auf der beigelegten, etwas umfangreicher bestückten DVD auch sehen. Maalouf präsentiert sich in wechselnden Besetzungen, stellt satten Oriental Funk, pathetische Hymen, auch eine Konzertetüde von Alexander Goedicke, aber vor allem die Kunst vor, mit Klängen und Melodien Hörer in den Bann zu ziehen. Da er neben seiner präsenten Bühnenpersönlichkeit auch noch ein beeindruckender Virtuose seiner vierventiligen, arabesken Trompete ist, gibt es eigentlich kaum etwas, was man an diesem faszinierenden Konzertalbum aussetzen könnte. Außer vielleicht dieses Quäntchen Naivität, dass sich mit Musik dauerhaft etwas in den Köpfen verändern ließe. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt.

Jetzt reinhören:

//Ralf Dombrowski