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Eric Pfeil

ERIC PFEIL

13 WOHNZIMMER

(Trikont)

 

Gerade wurde von Reinhard Mey „Jahreszeiten 1967-1977“ SPAM Musik Magazin, Eric Pfeil, Dreizehn Wohnzimmer, 13 Wohnzimmer, Ralf Dombrowski, Mann, Fenster, Zimmer, Hinterhof, Lampe, Wohnzimmerveröffentlicht, die Vinylbox seiner ersten acht Alben. Es macht nostalgischen Spaß, dem Lehrer- und Advokatensohn bei der Selbstfindung zuzuhören, wie er sich vom Naseweis langsam zu einer Stimme der Nation entwickelt, deren Lieder pfiffig den Alltag des ausgehenden Wirtschaftswunders umkreisen. Nimmt man nun als Vergleich das Album „13 Wohnzimmer“ eines Verseschmieds der Gegenwart wie Eric Pfeil in die Hand, dann ist es spannend, potentielle Unterschiede in Haltung und Struktur zu entdecken. So wie der Blick der Siebziger – übrigens nicht nur bei Mey, sondern auch bei Wader, Biermann und anderen – die Perspektive von außen wählte, die selbst persönliche Phänomene immer mit einer Restdistanz thematisierte, ist Pfeil bereits Kind der Entblätterungsgeneration. Alles ist ich, meine Meinung ist Bezugspunkt, die Welt ein einziger Rekurs auf die intrinsisch poetische Wahrnehmung des urbanen Mauerblickers. Das allerdings hat zur Folge, dass die Dichtung vereinsamt und zu einem Individualstatement schrumpft, das in etwa so notwendig ist wie ein Facebook-Post. Deshalb sucht Pfeil die Verankerung in der Authentizität von 13 Wohnzimmern, wo er jeweils eines seiner Lieder aufnimmt. Dieser inszenierte Alltagskontakt mit einem möglichst realitätsnahen Publikum korrespondiert mit der Normalität der Empfindungen, die die Lieder musikalisch formelhaft und verbal überwiegend trivial transportieren. Ein Mey wollte wie Orpheus singen, ein Pfeil will scharfsinnig sein, pointiert, lakonisch, wie der Kolumnist eben, der er in seinem anderen Leben ist. Mit schlecht intonierender, theatralisch unausgebildeter Stimme, plakativ straßenfolkig begleitender Gitarre und letztlich wenig erhellenden, weil pfeilverliebten Texten überzeugt er jedoch nicht als Barde der Nation, der durch die Intimissima des Bürgerlichen streift.

//Ralf Dombrowski