SPAM Musik Magazin, Elliott Sharp, Mary Halvorson, Marc Ribot, Err Guitar, Blau, Orange, Font, Ulrich Kriest

Eliott Sharp/Mary Halvorson/Rarc Ribot

ELLIOTT SHARP/MARY HALVORSON/RARC RIBOT

ERR GUITAR

(Intakt)

 

Stian Westerhus, Ronny Graupe, Jacob Bro, David Torn, Kalle temp44Kalima, Nels Cline, Christian Fennesz, um jetzt nur mal ein paar Namen in die Runde zu werfen. Will sagen: Der Gitarre in der improvisierten Musik geht’s so gut wie lange nicht. Auf welchem Abstraktionsniveau, jenseits von Konvention, Song und Groove, mittlerweile agiert wird, zeigt sehr eindrucksvoll und durchaus nicht ohne Humor das Duo-Trio-Album „Err Guitar“, das an zwei Tagen im Juli 2016 in Elliott Sharps „zOaR“-Studio in New York entstanden ist. Sharp, Jahrgang 1951, ist seit Jahrzehnten eine äußerst produktive Größe der New Yorker Avantgarde. Marc Ribot, Jahrgang 1954, spielte einst bei den Lounge Lizards und in diversen Bands von John Zorn, veredelte die Platten von Tom Waits mit allerlei komischen Sounds und schüttelte immer wieder irrwitzige Projekte aus dem Ärmel. Zuletzt etwa The Young Philadelphians, eine Band, der das erstaunliche Kunststück gelingt, sich gleichzeitig vor Ornette Colemans Prime Time und dem Philly-Sound der 1970er zu verbeugen. Bei den Young Philadelphians ist auch Mary Halvorson, Jahrgang 1980, mit von der Partie, die seit ihren Arbeiten mit u.a. Anthony Braxton und Ches Smith als originellste Gitarristin ihrer Generation gilt. Und jetzt also eine Art Gipfeltreffen: Zwei Tage in New York! Kein Schwanzvergleich wie damals in der Freitagnacht von San Francisco, sondern eine Reihe von Gesprächen unterschiedlichen Temperaments. Die Sache mit der angedachten Trio-Konstellation ließ sich aus Termingründen nur virtuell herstellen, wurde dafür aber sehr aufregend gemeistert. Alles scheint möglich, auch Dissenz. Mitunter dauert es nur wenige Takte, bis sich aus Klängen, die an eine blubbernde Wasser-Quelle denken lassen, ein Reggae-Rhythmus schält („Shredding Light“). Dann wieder lugen Blues, Ragtime oder Bluegrass verstohlen ums Eck („I’m Gonna Party Like It’s 1988“). Geradezu unheimlich wird es bei „Sea Buzz“, wo zur Slide-Guitar Geister-Stimmen, ja, echt jetzt, Kinder-Geister-Stimmen zu hören sind.

Jetzt reinhören!

//Ulrich Kriest