SPAM Musik Magazin, Chelsea Wolfe, Hiss Spun, Ulrike Rechel

Chelsea Wolfe

CHELSEA WOLFE

HISS SPUN

(Sargent House)

 

Ein großer Teil von Amerikas düstersten Bands stammt temp1ausgerechnet von der Sonnenküste Kaliforniens: ob Tool, Neurosis, Mike Patton oder Nu Metal à la Deftones. Chelsea Wolfe aus L.A. passt somit bestens auf die dunkle Seite des Surferstaates: als Songschreiberin mit treuem Gefolge unter Extrem-Metal-Hörern, äußerlich eine bleiche Schneewittchenschönheit, die einer Gothic-Filmfantasie Tim Burtons entstiegen sein könnte. Auf ihrem bereits sechsten Album führt sie denn auch in albträumerische Gefilde, die gleichsam sehr persönlich wirken. In den Lyrics vermischen sich persönliche Nöte mit gesellschaftlichen Ängsten, private mit globalen Abgründen. Stilistisch hat die 33-Jährige längst ihre Handschrift gefunden und führt mit beiläufiger Eleganz durch starke Gezeitenwechsel, vom dringlichen „16 Psyche“ samt Noise-Gitarren-Soundwall über kreischende Field-Recording-Einwürfe bis zum ätherischen Gothic Folk von „Twin Fawn“. Die Produktion wirkt organisch, die Live-Szenerie bleibt präsent: mit archaischen Drum-Rhythmen und Riff-Breitseiten. Einzelheiten wie die orkische Brüll-Einlage von Gastvokalist Aaron Turner (Isis) als Widerpart zu Wolfes verführerischem „lost girl“-Gesang in „Vex“ dienen nebenbei als coole Absage an potenzielle Mainstream-Kompatibilität.

Jetzt reinhören!

//Ulrike Rechel