SPAM Musik Magazin: Review Aziza - Aziza

Aziza

Aziza

Aziza

(Dare 2 Records)

Solche Platten sind rar geworden. Denn auch wenn viele Jazzmusiker inzwischen auf einem Niveau agieren, das noch vor wenigen Jahrzehnten nur einer Handvoll Überflieger vorbehalten war, wagen es nur wenige, die sichere Bank vertrauter Virtuosität zu verlassen. SPAM Musik Magazin Ausgabe eins: Review Aziza-AzizaNun gehören Bassist Dave Holland, Gitarrist Lionel Loueke, Saxofonist Chris Potter und Drummer Eric Harland jeder für sich zu den Koryphäen ihres Instruments. Als Band jedoch schaffen sie es, die Intensitätsmarke der Einzelleistungen noch zu übertreffen. Sie spielen auf Risiko, ohne Rücksicht auf Ansprüche und Geschmäcker, die an sie herangetragen  werden könnten. Potter bläst befreit wie schon lange nicht mehr, endlich mal nicht der Beste in der Combo, sondern einer unter Besten. Holland scheint in Harland sein ideales Gegenüber gefunden zu haben, einen Drummer, der eine spirituelle Aura mit enormer Energie und polyrhythmischer Unabhängigkeit verknüpft. Loueke wiederum steuert eine Prise Rock-Appeal, aber auch vertrackte afrikanische Klangstrukturmuster und den Bandnamen bei, der in der Mythologie des Königreichs Dahomey für den Gott der Inspiration steht. Ursprünglich nur für eine Tour 2015 zusammengestellt, ist aus Aziza eine potentielle Leading Group des zeitgenössischen Jazz geworden, die mit ihrem selbstbetitelten Debüt einen aktuellen Maßstab für Ausdruckskraft setzt.

//Ralf Dombrowski