SPAM Musik Magazin, Arcade Fire, Everything Now, Ulrike Rechel, Neon

Arcade Fire

ARCADE FIRE

EVERYTHING NOW

(Columbia)

 

Im Dance-Metier hat es Tradition, Alben in eine Nacht- und eine temp4Taghälfte zu gliedern, Euphorie und postorgiastischen Chill gegenüber zu stellen. Arcade Fire machen etwas Ähnliches auf ihrem fünften Album. Zwar nicht in ungleiche Hälften geteilt, lotet die Großtruppe aus Montreal doch beide Temperamente aus, lässt sich vom einen zum anderen treiben. Auf infektiöse Neo-Disco-Singalongs – für die man die Band um Leitpärchen Win Butler und Régine Chassagne spätestens seit Vorgänger „Reflektor“ von 2013 kennt – folgen intimere Stücke: „We Don’t Deserve Love“ etwa klingt so intim wie eine Hotelzimmer-Aufnahme nur mit Laptop und Tasten. Kleine, unpolierte Stücke wie „Infinite Content“ haben Platz: eine punkige Vignette zur alltäglichen Reizüberflutung, dazu ein Zwillingsstück im halben Tempo als echohaftes Country-Lullaby. Der infektiöse Titelsong ist dagegen ein Prachtbeispiel für die Kunst der Band, schlaue Stadienhymnen zu kreieren. Dabei bedienen sich Butler und Co. an Elementen wie Massenchorus und Abba-Eingängigkeit, ohne aber das Spielerische zu verlieren. Für Fans der Emotionsfeuerwerker Arcade Fire vielleicht gewöhnungsbedürftig, passt diese insgesamt zurückgeschälte Seite gut zu einer Band, die keine Lust darauf hat, die neuen U2 zu sein.

Jetzt reinhören!

 

//Ulrike Rechel