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Andreas Dorau

ANDREAS DORAU

DIE LIEBE UND DER ÄRGER DER ANDEREN

(Staatsakt)

 

Seit Jahrzehnten irritiert Andreas Dorau mit seiner angenehm stumpfen Kunst die dafür zu wenig schlaue deutsche Pop-Welt. Einmal, sehr früh, langte er hin und knackte mit ausgekochter Beknacktheit als Schüler die Charts. Dorau wurde erwachsen, studierte Film, hatte einen Job im Archiv einer großen Plattenfirma, was seinen Sinn für Pop im emphatischen Sinn derart steigerte, dass er sich mit abgründiger Naivität tarnen musste. Und einem Schuss Retro-Abseitigkeit, wenn er als Wetemp3hner-Schmidt-Klon mit James Last-Sound die Freuden der Demokratie besang. Sein neues Label „Staatsakt“ überredete den ewig Unterschätzten jetzt zu einem Kraftakt, der so gar nicht zum Understatement Doraus zu passen scheint. „Die Liebe und der Ärger der Anderen“ ist ein Doppelalbum mit 20 Tracks, die gewohnt genial und hintersinnig zwischen Pop und Club changieren. Obwohl Dorau nach eigener Aussage Texte ziemlich egal sind, wird man auch auf „DLUDÄDA“ wieder sehr viele seltsame und unkonventionelle Wendungen und Worte in seltsamen und unkonventionellen Zusammenhängen hören. Es geht um Ressentiments und Tierquälerei („Ossi mit Schwan“), tote Hunde namens Hitler („Ein trauriger Tag“), Autos, die man besser nicht kauft („Stern mit drei Zacken“) und pointierte Selbstreflexionen („Radiogesicht“). Es spricht für sich, dass Dorau als Mitarbeiter an diesem Album-Schwergewicht auf allerlei Heavies der Hamburger- und Berliner-Indie-Szene zurückgreifen konnte: von Mense Reents über Andreas Spechtl und Carsten Friedrichs bis hin zu Francoise Cactus und Wolfgang Müller. Auch dabei: Moses Schneider, diverse „Staatsakt“-Akteure und Luca Anzilotti of Snap!-Fame. Man sollte „DLUDÄDA“ also unbesehen kaufen, sich das Album in homöopathischen Dosen zuführen und in Ruhe abwarten, ob es nicht irgendwann als das „Sgt. Pepper“ des deutschsprachigen Pop gehandelt wird.

Jetzt reinhören!

//Ulrich Kriest