SPAM Musik Magazin, Amok Amor, Ulrich Kriest

Amok Amor

AMOK AMOR

WE KNOW NOT WHAT WE DO

(Intakt)

temp6

Der notorische Querkopf Christian Lillinger ist für eine Nischengestalt, einen Jazz- und Improv-Schlagzeuger, derzeit medial mächtig omnipräsent. Ein kleiner Star im und aus dem Abseits, gewissermaßen. Vielleicht weil es ihm gelungen ist, das Image eines durchaus meinungsfreudigen Nonkonformisten glaubwürdig anzubieten, der sich traut, die kaum noch kaschierte Korruptheit und Durchkommerzialisierung der Branche (Stichworte: „Jazz-Echo“; Titelgeschichte gegen doppelseitige Anzeige) und des Neoliberalismus beim Namen zu nennen und zugleich seine kompromisslose High-Energy-Musik dagegen zu setzen. Ein schönes Beispiel dafür ist das zweite Album des zumeist ordentlich Alarm machenden Quartetts Amok Amor mit dem Saxophonisten Wanja Slawin, dem Trompeter Peter Evans und dem Bassisten Petter Eldh – ein echtes Dreamteam von Virtuosen. Bitte vom Albumtitel nur bedingt täuschen lassen! In der „forschenden Musik“ (Lillinger) von Amok Amor mischen sich Jazz-Tradition, Improv, Neue Musik, HipHop und vieles mehr, was sich vielleicht erst beim x-ten Hören erschließt. Im Booklet wird explizit darauf verwiesen, dass die zirzensischen Elemente des Jazz der 1920er Jahre hier vielleicht unter anderen Bedingungen erinnert, wiederholt und durchgearbeitet werden. Spannend und fordernd!

Jetzt reinhören!

//Ulrich Kriest