fantasiemuskel

Der Fantasiemuskel

Braucht es Genies, um das Chaos zu beherrschen?

// Mariella Doblhofer

 

Gehen wir es heute direkt groß an und beschäftigen wir uns mit der Kernfrage der Menschheit: Wo fängt das Universum an und wo endet es voraussichtlich?

Laut New Scientist wird die kürzeste Geschichte des Universums wie folgt erzählt: „“. Sehen wir genauer hin, können wir erkennen, dass am Anfang Raum, Zeit und Materie in einem winzigen Punkt gebündelt waren (.) und nach dem Urknall sich das Universum (<) bis in die Ewigkeit ausdehnte (∞). Die Grundfrage unserer Existenz berührt uns immer wieder: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wo ist unser Platz im Universum?

„Die Entropie der Welt strebt einem Maximum zu.“, so formuliert der Berliner Physiker Rudolf Clausius kurzerhand das Grundgesetz der Thermodynamik für unser gesamtes Universum. Im Physikerjargon wird die Entropie als Maßeinheit für die Unordnung bezeichnet. Clausius warnt, wenn die Unordnung weiterhin wachse, so droht unserem Universum der sogenannte „Wärmetod“. Alle Sterne und Planten, die um unsere Erde schweben, würden sich in atomare Bestandteile auflösen und wie ein Gas im Weltall verteilt sein. Wenn der Wasserstoff im Kern eines Sterns aufgebraucht ist, fusionieren Atome in dessen Hülle. Die Gasteilchen in der äußeren Atomschicht erhitzen sich und dehnen sich aus. Dadurch bläht sich der Stern auf. Die Energie hat nun mehr Platz, wodurch die Temperatur sinkt. Der Stern leuchtet rötlich und ist unter Laien auch als Roter Riese bekannt. Das Endstadium eines Roten Riesen wird dann als Weißer Zwerg benannt, wenn sich also die Hülle des Sterns löst und eine Kugel, übrig bleibt. Die verbleibende Energie hat nun eine kleinere Oberfläche zum Ausbreiten. Daraus resultiert der Temperaturanstieg und das damit führende hellere Erleuchten des Sterns. Ein Schicksal, das unserem heutigem Wissen nach zu urteilen, dem Ende unseres Universums recht nahekommt.

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Fragen wir einen Astronomen: Wie viel Sternlein steh’n? Müssen wir uns höchstwahrscheinlich auf eine sehr unromantischen Antwort einstellen? Wenn ja, könnte es daran liegen, dass die Astronomen das Universum als überschaubar definiert haben: „Es ist so groß, wie das Auge reicht. Es besteht aus allem, was wir prinzipiell beobachten können.“ Einfach gesagt besteht die Galaxie nicht ausschließlich aus gewöhnlichen Atomen. Hinzu kommt noch eine unsichtbare Form von Materie, die Dunkle Materie. Bis dato können Kosmologen nicht genau benennen, woraus diese besteht. Bei der Suche nach einer Antwort, soll der Teilchenbeschleuniger LHC bei Genf Spuren liefern.

Da ist selbst der Wind aus der Puste, wenn uns auffällt, dass nicht nur in unseren Köpfen, sondern auch über ihnen, totales Chaos herrscht. Der Mensch wird weiterhin eine Anekdote in der Geschichte des Kosmos bleiben – eine nicht eben neue Erkenntnis. Doch die Frage, die sich Wissenschaftler in der heutigen Zeit stellen lautet: Können wir, die nur ein winziges Teil des Universums ausmachen, jemals das Universum als Ganzes verstehen?

Die schockierende These: „Die Welt hatte einen Anfang und am Ende wird sie leer und dunkel sein.“ Als am besagten Anfang also Raum, Zeit und Materie in einem winzigen Punkt gebündelt waren (.), blähte sich durch den Urknall das Universum (<) bis in die Ewigkeit auf (∞). Was die Ursache für die Phase der Inflation (engl. Aufblähen) antrieb, ist umstritten. Nach dem Vorbild von E=mc2, der Gleichung in Einsteins Relativitätstheorie, wollen sie zu gerne die gesamte Welt mit ihrem Kosmos in einer einzigen Formel erklären können. Seit Anbeginn des menschlichen Denkens, versucht sich der Mensch mit Hilfe der Kraft des Fantasiemuskels ein Bild von der Welt zu machen.

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Eine Antwort auf alles zu suchen, um dem Chaos in unseren Köpfen zu entgehen. Doch niemand kann uns garantieren, dass diese lang ersehnte Antwort mit der Unordnung aufräumt. Vielleicht brauchen wir gar keine Antwort auf Alles. Vielleicht genügt ein bisschen Platz für das Ungewisse, das wir mit unserer Fantasie auszufüllen versuchen.

Eine Antwort auf diese Frage wäre gegenwärtig wohl zu viel verlangt. Begnügen wir uns für den Augenblick (.) damit, dass sie in der dunklen Materie (∞) unseres eigenen, zusehends weniger beschränkten Weltbildes (<) verborgen liegt.